Beim Essen und Trinken richten wir unsere Aufmerksamkeit darauf, was verzehrt wird:
Löscht es unseren Durst ? Stillt es unseren Hunger ? Schmeckt es uns ?
Wie der Speisebrei in den Magen gelangt, nehmen wir dagegen nicht bewußt wahr. Denn Schlucken geschieht ganz automatisch und unauffällig, täglich bis zu 2500 Mal.
Vereinfacht lässt sich der Schluckvorgang in folgende drei Phasen einteilen:

1. Orale Phase
Die Nahrung wird zerkaut und eingespeichelt. Der Speisebrei wird zum Schlund transportiert und löst dort den Schluckreflex aus.

2. Pharyngeale Phase
Abdichtung der Atemwege (nach oben durch das Gaumensegel, nach unten durch den Kehlkopf) und reflektorischer Atemstillstand. Transport des Speisebreis durch den Rachen in Richtung Speiseröhre.

3. Ösophageale Phase
Die Nahrung wird in die Speiseröhre befördert und gelangt weiter in den Magen.

Was hier einfach anmutet, ist bei genauerem Hinsehen ein hochkomplexer Vorgang, an dem über 50 Muskelpaare und 5 Hirnnerven beteiligt sind und koordiniert werden müssen.
Zunächst mit und später ohne Steuerung durch das Bewußtsein.

Bereits eine einzige Störung in diesem System kann zu einer Schluckstörung führen.

Und Schluckstörungen sind keine Seltenheit !

In größeren Untersuchungen werden bundesweit bis zu 7 % Betroffene angegeben. In klinischen Einrichtungen steigt diese Zahl auf bis zu 20 %, in Pflegeheimen sogar auf bis zu 50 % an - und die Dunkelziffer ist vermutlich noch weit höher !

Die Ursachen von Schluckstörungen sind ausgesprochen vielfältig.

Neurologisch bedingte Störungen sind relativ häufig (z.B. Schlaganfall, Morbus Parkinson, Multiple Sklerose, Hirntumoren u.a.), aber auch im Alter kann es z.B. durch Nachlassen der Sensibilität u./o. Motorik im Mund-/Rachenraum zu Schluckproblemen kommen.

Angeborene Fehlbildungen, Erkrankungen der Speiseröhre, Tumoren, entzündliche Prozesse des Mund-/ Rachenraumes, psychische Erkrankungen und Nebenwirkungen von Medikamenten können ebenfalls ursächlich sein.

Die Folgen von Schluckstörungen können verheerend sein und reichen von vergleichsweise harmlosen Symptomen wie:

Appetitlosigkeit
Problemen bei der Tabletteneinnahme
Erkrankungen der Zähne und des Zahnfleisches
über ernster zu nehmende Komplikationen, wie:
Mangelernährung
Flüssigkeitsmangel
bis hin zu gefährlichen
Hustenanfällen
Bronchitis
oder gar zu lebensbedrohenden
Lungenentzündung
Allein jeder 5. Schlaganfallpatient in der Bundesrepublik verstirbt im 1. Jahr nach dem Insult an den Folgen von Schluckstörungen !

Dennoch stehen Schluckstörungen bei vielen der o.g. Erkrankungen nicht im Vordergrund. Umso wichtiger ist es, gezielt danach zu suchen !
Schluckstörungen erkennen und richtig und angemessen darauf reagieren - durch einfache Maßnahmen Leben retten !